CHARMING CHANDIGARH (Tage 11-13)

27 01 2012

Das eigentliche Ziel dieser Exkursion erreichten wir am frühen mittag des elften Tages. Chandigarh. Zehn Tage waren wir nun unterwegs, hatten viele hundert Kilometer zurück gelegt, unglaubliches gesehen und erlebt. Und jetzt lag vor uns diese Stadt. Ein Städtchen eher, an dem man als Tourist eigentlich höchstens vorbei fährt, auf dem Weg in den Himalaya. Wenn man sich überhaupt jemals in diese Gegend verirrt. Nur Architekten kommen des öfteren. Denn Chandigarh wurde in den 1950er Jahren nach Plänen Le Corbusiers errichtet und weist weltweit die wohl höchste Dichte an Bauten des Altmeisters auf. Chandigarh ist die Hauptstadt des damals neu gegründeten Punjabs und die meisten repräsentativen Regierungsgebäude stammen direkt aus der Feder LeCorbusiers. Der Rest der Stadt ist in Sektoren unterteilt die jeweils relativ strikt einer Nutzung unterliegen. So zum Beispiel der Einkaufssektor 17 und der Ausgeh- Restaurantsektor 35. Die Wohnsektoren bieten dabei eine nicht nur für indische Verhältnisse niedrige Dichte und eine hohe Vielfalt an Wohnformen. Die meisten Gebäude wurden von Le Corbusier nahestehenden Architekten wie seines Cousin Pierre Jeanneret geplant und bieten eine recht hohe Wohnqualität die vor allem wohlhabende Rentner aus Delhi zu schätzen wissen. Die Sektoren sind getrennt von großen, mehrspurigen Straßen die auch heute noch für entspannte und völlig Indien-untypische Verkehrsverhältnisse sorgen.

Unser Ziel des Tages war das Regierungsviertel. Allerdings ist die politische Lage hier, nicht weit von der Grenze Pakistans, nicht eben entspannt. So erfordert der Besuch der Regierungsgebäude eine aufwendige Vorplanung mit vielen Genehmigungen und Wartezeiten vor Ort. Zu dem müssen zahlreiche Checkpoints mit herausschauenden Schnellfeuerwaffen auf Kopfhöhe passiert werden, was nicht gerade zu den angenehmsten Dingen gehört die ich je gemacht habe. Immerhin bekamen wir dann eine kurze Führung durch das Sekretariat der Ministerien und Zugang zu einer Aussichtsplattform auf dem Dach. Auch das hohe Gericht durften wir kurz von innen bestaunen. Das sehr interessante Parlamentsgebäude blieb uns jedoch leider verwehrt da an dem Tag eine Sitzung stattfand. Sämtliche Gebäude sind aus rauhem Sichtbeton und wirken auf den ersten Blick brutal und kühl wie viele Bauten des Schweizers. Die Qualität der Räume ist erst vor Ort spürbar und ist auf zahlreiche sehr unterschiedliche Faktoren wie beispielsweise Proportionen und Raumfolgen aber auch Belüftung und Verschattung zurückzuführen die höchst intelligent verknüpft und auf die externen Bedingungen dieses Ortes angepasst wurden. Leider ist die Bausubstanz in einem miserablen Zustand und wird vermutlich bald aus Sicherheitsgründen geschlossen werden müssen wenn keine Sanierungsarbeiten durchgeführt werden.

Am vorletzten Tag teilte sich die Gruppe in zwei Teile. Rainer, ein deutscher Architekt der mal eine Zeit in Indien gelebt hatte und uns auf der Reise begleitete, hatte angeboten im nicht all zu weit entfernten Dehra Dun einen ihm befreundeten Architekten zu besuchen der uns ein in Bau befindliches Projekt zeigen wollte. Außerdem liegt Dehra Dun direkt am Fuße des Himalaya und es Bestand die Möglichkeit eine alte britische Hill Station zu besuchen und ein wenig Bergluft zu schnuppern. Das klang überzeugend. Mit zwei Autos a 7 Mitfahrern machten wir uns also am morgen auf den Weg während der Rest einen eher ruhigen Tag in Chandigarh zum Einkaufen und Entspannten nutzte. Die Straße nach Dehra Dun bestand leider zum Großteil aus kurviger Schotterpiste was die Fahrt nicht eben angenehm gestaltete. Langweilig wurde es jedoch nicht, gab es doch draußen genug zu sehen. Wir durchquerten schöne Landschaften und einige kleine Dörfer und sahen immer wieder mal Affenbanden am Straßenrand sitzen. Vom indischen Verkehr und den immer wieder bis zum letzten Moment frontal auf uns zu kommenden Lastern mal abgesehen war es eigentlich eine recht angenehme Fahrt. Aufgrund einer Reifenpanne brauchten wir jedoch knapp 4,5 Stunden für die 170km so dass wir dann alle doch froh waren das enge Auto endlich verlassen zu können.

Die zu besichtigende Baustelle entpuppte sich als ein wirklich interessantes Projekt. Eine Ölbohrfirma baut sich dort eines der ersten „Green Buildings“ Indiens. Der spektakuläre, wenngleich etwas schräge Entwurf sieht eine grasbewachsene Hügellandschaft vor die sich auf die nahegelegenen Berge des Himalaya beziehen soll und in die sich Runde Lichthöfe graben. Nicht unbedingt mein Geschmack aber immerhin eines von wenigen wirklich modernen Gebäuden die wir in den zwei Wochen besichtigten. Die bauleitenden Architekten empfingen uns voller stolz und begleiteten uns auf einem Rundgang auf der sich noch im Rohbau befindlichen Baustelle zu der das Besteigen einiger abenteuerlicher Gerüstkonstruktionen gehörte. Besonders interessant waren die Baustellenbedingungen. Massenweise Arbeiter wuselten überall im Gebäude umher und nutzen jede Gelegenheit uns kurz zu grüßen oder aus der Ferne zu beobachten. Sie arbeiteten teils in schwindelerregender Höhe am Rohbau. Die durchaus vorhandenen Sicherheitsgurte lagen jedoch oft einige Meter weiter auf dem Boden. Ein Arbeiter rührte in einem alten Bauhelm Mörtel an. Man muss wohl festhalten, dass das verwirklichen einer derartigen amorphen Betonstruktur und eines Green Buildings nach modernen Standards unter derartigen Baustellenbedingungen sicher eine beachtliche Leistung ist.

Am Nachmittag kurvten wir eine knapp 20km lange Serpentinenstraße hinauf nach Mussoorie. Die alte britische Hill Station liegt auf knapp 2000m Höhe auf einem Bergrücken und bietet normalerweise atemberaubende Aussichten, einerseits in die Ebenen in Richtung Dehra Dun, andererseits auf die Berge des Himalaya bishin zu einigen 6000ern. An diesem Tag hingen jedoch leider dicke Nebelschwaden zwischen den Bergen und verweigerten uns dieses Spektakel. So blieb uns nur einen kleinen Blick in den Ort zu werfen, die angenehm klare und kühle Bergluft schnuppern und uns dann wieder auf den Rückweg machen. Denn unten in Dehra Dun wartete bereits ein Abendessen auf uns. Den letzten Abend in Indien verbrachten wir auf der Dachterrasse des indischen Architekten der uns auch über die Baustelle geführt hatte mit einem kühlen Bier und jede Menge gegrilltem Chicken Tandoori. Ein ordentlicher Ausklang. Leider mussten wir jedoch danach auch noch wieder zurück nach Chandigarh kommen. Die Rückfahrt ging zwar dank leerer Straßen deutlich zügiger von statten. Die immerwieder frontal entgegenkommenden überholenden LKW mit Aufblendlicht machten die Fahrt jedoch wenig angenehm. Eine weitere Reifenpanne zwang uns zwischendurch noch zu einer kurzen Pause ehe wir dann irgendwann um Mitternacht erschöpft aber lebendig wieder in Chandigarh ankamen.

Für den letzten Tag stand dann nochmal ein Highlight auf dem Programm. M.N. Sharma war der oberste indische Architekt beim Aufbau von Chandigarh und quasi der Vertreter LeCorbusiers wenn dieser nicht in Indien weilte. Der Mann ist heute 86 Jahre alt und lebt immernoch in Chandigarh und er hatte uns zu sich nach hause eingeladen um uns ein wenig über die Zeit des Aufbaus der Stadt zu erzählen. Leider bewirkten eine Reihe von Faktoren, neben der großen Gruppe vor allem Hintergrundgeräusche und die schwache Stimme des alten Mannes, das es schwierig war ihm wirklich zu folgen. Nichts desto trotz kamen einige interessante Anektoden aus einer anderen Zeit dabei herum. Den Rest des Tages konnte jeder für sich noch einmal durch Chandigarh bummeln, einige letzte Souvenirs besorgen, dem Stadtmuseum einen Besuch abstatten oder sich im Hotel ausruhen und Koffer packen. Am Abend fuhren wir dann zunächst mit dem Zug nach Delhi wo ein Bus für uns bereit stand und uns zum Flughafen beförderte. Dort mussten wir uns von 0h bis 5h morgens die Zeit vertreiben ehe wir eindlich in den Flieger einsteigen und einschlafen konnten.

Unterwegs mit Indian Railways

Regierungsviertel Chandigarh

Sekretariat der Ministerien

Im High Court

Die offene Hand

Chandigarh bei Nacht

Chandigarh bei Tag

Auf dem Weg nach Dehra Dun

Ein paar Affen am Straßenrand

Reifenpanne auf dem Weg

Baustelle ONGC Zentrale


wackelige Treppenanlagen

Mussoorie ohne Aussicht

Zu Gast bei M N Sharma/p>

Museum Chandigarh

Noch viel mehr Bilder gibts auf FlickR…

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Chandigarh 11, a set on Flickr.

MUMBAI MAINA (Tag 1)
AHMEDABAD ADVENTURE (Tage 2-4)
RAJASTAN RALLYE (Tage 5-7)
AMAZING AGRA (Tage 8-10)





AMAZING AGRA (Tage 8-10)

9 01 2012

morgengrauen am Taj Mahal

Am Achten Tag hatten wir wieder eine lange Busreise vor uns. Durch ödes, staubtrockenes Land in dem nur vereinzelte Frauen in bunten Saris auf den Feldern für Farbtupfer sorgten fuhren wir Richtung Osten. Kamelwagen und überladene Fahrzeuge säumten die Straßenränder wie schon an den vorherigen Tagen. Gegen Mittag legten wir einen Stop am Stufenbrunnen Chand Baoli ein. Mitten in diesem ganzen nirgendwo wurde im 9. Jahrhundert eine der prächtigsten Brunnenanlagen der Welt gebaut. Die 35m tiefe Anlage zu der von allen Seiten insgesamt 3500 Stufen hinab führen bildet quasi eine inverse, in die Erde hinabführende Pyramide. Sie ist aber nicht nur ein reiner Brunnen. Das rare und kostbare  Gut Wasser wurde hier regelrecht zelebriert. Die alten Gemäuer eines Bades mit getrennten Bereichen für Männer und Frauen, sowie eines daran angeschlossenen Tempel zeugen noch heute davon.

Das eigentliche Tagesziel lag jedoch noch einmal ca. 100km weiter östlich. Am frühen Nachmittag kamen wir in Fatehpur Sikri an. Auf einem Hügel über einem Flussbett wurde von 1569 bis 1574 auf Geheiß des Großmoguls Akbar die neue Hauptstadt gebaut. Ein hier ansäßiger Scheich hatte Akbar erfolgreich drei Söhne prophezeit, was diesen so beeindruckte dass er prompt an dieser Stelle eine neue Hauptstadt bauen ließ und mit samt Hofstaat vom nur 40km entfernten Agra aus umzog. Bereits 1585 hatte er jedoch schon wieder neue Pläne und zog weiter nach Lahore von wo aus die Feldzüge besser zu überwachen waren. Möglicherweise könnte auch Wasserknappheit in Fatehpur Sikri ein Grund gewesen sein. Jedenfalls lag die prächtige Stadt nach nicht einmal 15 Jahren Nutzung brach und geriet in Vergessenheit. Aus heutiger Sicht ist das allerdings sehr gut, da die 450 Jahre alten Ruinen nun hervorragend erhalten und zum Teil restauriert sind und ein tolles Beispiel für die Architektur des Moguleichs abgeben.

Wir hatten den kompletten Nachmittag um das ausgedehnte Gelände zu erkunden und zu beobachten wie die roten Sandsteinmauern im Licht der untergehenden Sonne zu glühen begannen. Die dazwischen herumfliegenden grünen Papageien rundeten das farbenprächtige Bild ab. Leider bekamen wir jedoch auch zu spüren dass wir uns nun in gut ausgetretenen Touristenpfaden bewegten. Um zur etwas außerhalb der Stadt gelegenen großen Moschee zu gelangen muss man das Gelände verlassen und gerät prompt in eine Herde an aufdringlichen Schleppern und Bettlern. Natürlich ist auch das ein Teil von Indien, bis jetzt war er uns aber größtenteils erspart geblieben. Nun schwirrten vor allem Kinder um uns herum die versuchten uns unsere Eintrittskarten gegen Postkarten oder ähnlichen Nippes abzutauschen. Es scheint wohl ein gutes Geschäft zu sein, die Karten unter dem Tisch weiter zu verkaufen. Beeindruckend waren dagegen die Jungs die am Eingang der Moschee saßen und gegen einen kleinen Obolus auf die Schuhe aufpassten. Jeder von ihnen hatte riesige Haufen von 50-100 Schuhen vor sich liegen, sie wussten aber haargenau wem welches paar gehörte und hielten sie einem bei der Rückkehr bereits entgegen. Am Abend fuhren wir noch weiter nach Agra, vielleicht einem der Höhepunkte dieser Reise.

Um 5h morgens des neunten Tages trafen wir uns zu sechst in der Hotellobby. Ehe wir um 9h mit der gesamten Gruppe zum Taj Mahal aufbrachen wollten wir noch den Sonnenaufgang von der anderen Flusseite aus bestaunen. Der Yamuna-Fluss fließt durch die 3-Millionen-Einwohner-Stadt Agra als breiter Strom mit einem halbtrockenen Flussbett von deutlich über 100m breite. Nur wenige Brücken verbinden die beiden Seiten. Somit ist der Weg auf die andere Seite des Flusses mit einem ziemlichen Umweg durch die halbe Stadt verbunden. Jeweils zu dritt in einer Motorrikscha düsten wir über leere Straßen im morgengrauen durch die noch schlafende Stadt, vorbei an Müllhaufen in denen sich Affenbanden verlustierten, einmal über die alte rostige Brücke bis zum Metab Bagh Park. Wir zahlten schnell einige Rupien Eintritt und liefen durch ein paar Bäume ehe wir auf eine große Wiese kamen und zu unserer rechten im Nebel die Umrisse des Taj Mahal auftauchten. Ein grandioser Moment. Außer uns waren nur 2 andere Menschen in dem ausgedehnten Park. Wir konnten uns also in aller Ruhe auf eine Mauer am Fluss setzen, den erwachendenVögeln und dem Gebetsruf eines nicht weit entfernten Tempels lauschen und zusehen wie sich der Nebel langsam lichtete und das weltberühmte Monument auf der anderen Flussseite im glanz der Morgensonne zu strahlen begann. Viel besser geht es eigentlich wirklich nicht. Leider mussten wir pünktlich zurück am Hotel sein um die Gruppe nicht zu verpassen, so mussten wir aufbrechen bevor sich der Nebel endgültig lichtete. Dennoch gehörte dieser morgen definitiv zu den eindrucksvollsten Momenten die ich bisher erleben durfte. Ich hatte es gar nicht so erwartet, aber die schiere Perfektion dieses Gebäudes, gepaart mit der Atmosphäre dieses frühen morgens waren schon etwas ganz besonderes.

Zwei Stunden später fanden wir uns auf der anderen Seite des Flusses am Eingang des Taj Mahal wieder. Leider musste ich hier Sabrinas hoch gefährlichen Maskottchen-Stoffhasen abgeben, mit dem ich vorgehabt hatte ein Foto zu schießen. Gemeinsam mit einem Taschenmesser, Feuerzeugen, Zigaretten und verschiedenen Bonbons anderer Gruppenmitglieder musste der arme in einer Tüte am Eingang auf uns warten. Anscheinend haben Hasen in Indien keinen guten Ruf. Mit dieser Gefahrensituation aus dem Weg durfte ich das Gelände dann betreten und das Taj Mahal nun auch aus der Nähe begutachten. Und auch diesem Blick hielt das elegante Gebäude stand. Die perfekten Proportionen ziehen sich bis ins Detail und die weißen Marmorwände sind über und über mit feinsten Edelsteinen dekoriert. Die vier schlanken, ganz leicht nach außen geneigten Minarette die im Falle eines Erdbebens vom Gebäude weg fallen sollten geben dem ganzen eine Art Rahmen. Und von der Plattform auf der Das Gebäude steht hat man einen tollen Ausblick über den weiten Bogen des Yamuna und den Park auf der anderen Seite.

Am mittag stand dann noch die zweite Weltkulturerbestätte Agras auf dem Programm, das Rote Fort. Dieses wurde 1565 von jenem Kaiser Akbar gebaut der nur einige Jahre später weiter nach Fatehpur Sikri zog. In späteren Jahren diente es unter anderem Shah Jahan als Regierungssitz, der heute neben seiner geliebten Frau im Taj Mahal begraben liegt. Das interessanteste an dem Fort ist jedoch die harmonische Vereinigung islamischer und hinduistischer Baukünste.

Am Nachmittag ging die Fahrt weiter. Leider brauchten wir für die gut 150km bis Delhi knapp 7 Stunden, wobei wir davon sicher die Hälfte im dichten Verkehr irgendwo in der Peripherie der 20-Millionen-Stadt feststeckten. So kamen wir erst spät am abend relativ entkräftet in unserem Hotel an. Es war die fünfte Nacht in Folge an unterschiedlichen Orten mit jeweils gut 5 bis 6 Stunden Fahrt dazwischen. Obwohl der Bus und die  Hotels für indische Verhältnisse gut waren machten sich die Reisestrapazen dieses Mammutprogramms langsam doch bemerkbar.

Die große Freitagsmoschee von Delhi ist eine der größten Moscheen der Welt mit Platz für über 20.000 Gläubige und befindet sich mitten im Zentrum Shahjahanabads, der Altstadt Delhis. Man kann dem eleganten Gebäude recht gut ablesen, dass der Bauherr jener Großmogul Shah Jahan war der auch das Taj Mahal in Agra in Auftrag gab. An diesem Dienstagmorgen war der große Hof relativ leer so dass man sich in Ruhe umschauen konnte. Eines der beiden Minarette ist begehbar und bietet als Gegenleistung für etwas körperliche Arbeit und Schwindelfreiheit eine tolle Aussicht. Eine dünne steile Wendeltreppe führt in dem Turm nach oben und nur an einer Stelle gibt es einen Erker an dem man entgegenkommenden Leuten Platz machen kann. Oben angekommen steht man auf einer winzigen Plattform ohne nennenswerte Brüstung die gerade eben Platz für 2-3 Menschen bietet. Sie ist zwar durch ein Gitter rund herum gesichert aber dennoch nichts für Leute mit Höhenangst.

Vor der Moschee fand zu der Zeit ein großer Ziegenmarkt statt so dass die gesamte umliegende Altstadt voller Ziegen war. Wir nutzten den Aufenthalt an der Moschee um zu viert eine kleine Runde durch die umliegenden Straßen zu drehen, in denen sich Delhi von seiner rauhen, schmutzigen Seite präsentiert. Zwischen Autwowracks saßen da Straßenverkäufer mit Käfigen in denen erbärmlich aussehende, zerrupfte Vögel dicht gedrängt vor sich hin vegetierten. Fliegen surrten überall umher. Eine Straße weiter lagen abgetrennte Ziegenköpfe auf einer Theke einer kleinen Metzgerei. Der Metzger schlachtete auf offener Straße einige Hühner. Im Nachbarhaus lud indes ein kleiner Schnellimbis zum Chickenburger. Durch die engen Gassen drängten sich Menschen, mit Karren, auf Motorrädern, in Motoriskchas. Wir schafften es leider nur bis zum Eingang des großen Ziegenmarktes ehe wir wieder zurück zum Bus eilen mussten.

Der Rest des Tages erwies sich leider als ein ziemlicher Reinfall. Nach stundenlangem Warten und Passkontrollen vor der Parlementsbibliothek gewährte man uns nur einen kurzen Blick ins Gebäude und einen Rundgang in einer kleinen Ausstellung für Schulklassen über die indische Verfassung. Am Nachmittag besuchten wir die Baustelle eines fast fertigen Wohnhauses irgendwo in den Vororten. Leider kamen wir dort durch die lange Warterei und den Verkehr Delhis deutlich später an als geplant, so dass die Architekten des kleinen Büros Gupta Vir Müller, die uns eigentlich empfangen wollten bereits wieder auf dem Weg zu einem Termin waren. Am Abend kamen dann noch Navigationsprobleme bei der Suche des Restaurants hinzu. Alles was in den vorherigen Tagen so reibungslos funktioniert hatte ging an diesem Tag schief. Es blieb aber in den 2 Wochen Reisezeit bei diesem einen Tag. Man muss den Organisatoren also an dieser Stelle nochmal ein Lob aussprechen!

Indische Autobahnen

Chand Baoli Stepwell

Fatehpur Sikri

hof der Moschee von Fatehpur Sikri

Schuhwächter und Straßenkinder mit Sara und Gabriela

Rikschatour im Morgengrauen und ein merkwürdiger Page im hotel

Taj Mahal im Sonnenaufgang

Taj Mahal von nahem am mittag

Das rote Fort von Agra


Freitagsmoschee in Delhi

Im hintergrund das größte Einfamilienhaus der Welt

Auf dem Minarett der Freitagsmoschee

Alt Delhi, Rund um die Moschee

Wohngebäude in Delhi von Gupta Vir Müller Architekten

Noch viel mehr Bilder gibts auf FlickR…

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Fatehpur SikriSAMSUNG DIGITAL CAMERA SAMSUNG DIGITAL CAMERASAMSUNG DIGITAL CAMERASAMSUNG DIGITAL CAMERA SAMSUNG DIGITAL CAMERA
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Agra & Delhi 11, a set on Flickr.

MUMBAI MAINA (Tag 1)
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RAJASTAN RALLYE (Tage 5-7)
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RAJASTAN RALLYE (Tage 5-7)

2 01 2012

hawa mahal in Jaipur

Am morgen des fünften Tages ließen wir Ahmedabad hinter uns und bewegten uns per Bus in gemäßigtem Tempo Richtung Norden. Wir machten noch einen kurzen Halt an einem Stufenbrunnen nördlich von Ahmedabad und einen weiteren in der Planstadt Ghandinagar, seit 1970 Hauptstadt des Staates Gujarat. Danach fuhren wir ohne weitere Stops hinein in die Wüsten Rajastans. Die Autobahnen waren recht gut ausgebaut. Auf ihnen bewegten sich jedoch auch Kamelwagen, Motorrikschas und Fußgänger und von Zeit zu Zeit lag auch mal eine Kuh auf dem Mittelstreifen. Somit war das zügige Vorrankommen nicht immer garantiert und wir benötigten einen guten halben Tag für die 260km bis Udaipur. Aber immerhin bekamen wir auf dem Weg ein wenig Landschaft und die ein oder andere Kuriosität am Straßenrand wie völlig überladene Motorräder und Busse zu sehen. Für Heiterkeit und Gelächter im Bus war gesorgt als auf einem etwas huppeligem Abschnitt eine der Sitzreihen im Bus komplett aus ihrer Verankerung brach und nach hinten kippte. Wir mussten uns notdürftig behelfen und die Bank für den Rest der Fahrt quer in den Bus stellen. Es leben indische Sicherheitsstandards!

In Udaipur angekommen hatten wir den Rest des Tages für uns zur freien Verfügung. Mit einigen Mädels aus der Gruppe zog ich eine Runde in die Altstadt um in den einen oder anderen Laden zu schauen und Mitbringsel zu organisieren. Udaipur ist eine für indische Verhältnisse kleine Stadt mit irgendwas um 500.000 Einwohnern. Entsprechend ist das Zentrum auch eher klein, doch die engen, gewundenen Gassen auf einem Hügel an einem künstlich angelegten See haben durchaus ihren Charme. Während wir da so entlang bummelten kamen wir an einem großen Tempel vorbei aus dem Gesang drang und in dem sich gerade viele Menschen versammelten. Wir ließen uns mal mit dem Strom die große Treppenanlage hinauf tragen und ehe ich mich versah hatte ich ein paar Blumen in die Hand gedrückt bekommen die ich, wie mir erklärt wurde, als Opfer darzubieten hatte um im Gegenzug Glück zu erhalten. Ein fairer Deal. Wir warteten also ein paar Minuten ab bis sich der große Andrang etwas abgeschwächt hatte und stiegen dann hinauf in den Tempel wo man der hier hausenden Gottheit bereits ein großes Buffet mit allerlei Gaben angerichtet hatte. Unsere Blumen konnten in Anbetracht dessen keinen großen Eindruck mehr schinden. Dennoch legten wir sie den Gebräuchen entsprechend hernieder und bedankten uns anschließend bei dem netten Menschen der uns das Prozedere erklärt hatte. Das Glück kam prompt in Form einiger Affen die im hinteren Bereich des Tempels in der einsetzenden Dämmerung von Ast zu Ast sprangen und schlieslich zu unserem Entzücken die reich verzierten Tempelwände als Kletterfelsen missbrauchten.

Der sechste Tag brach an und wir versammelten uns mit der Gruppe am Palast von Udaipur, einem von vielen mittelalterlichen Überbleibseln im ewig umkämpften Rajastan. Hindi, Moslems, Steppenvölker und Europäer haben sich hier über die Jahrhunderte so einiges an Kriegen geliefert, weshalb die Landschaft übersäht ist mit alten Verteidigungsanlagen, Burgen und Gemäuern. Der Palast von Udaipur ist eigentlich ein Komplex aus mehreren Palastanlagen zu denen auch der Lake Palace gehört, ein weiß schimmerndes Gebäude mitten im 1360 aufgestauten Pichola See, an dessen Ufern wiederrum malerisch der Stadtpalast liegt. Leider war die gebuchte Gruppentour eine ziemliche Zumutung da an diesem fünften und letzten Diwali-Feiertag anscheinend halb Indien den Stadtpalast sehen wollte. Der Rundgang war so überfüllt, dass es an vielen Stellen weder vorwärts noch rückwärts ging und man sich einfach über mehrere Minuten in der Masse durch enge Gänge schieben lassen musste bis man in irgendeinem Innenhof ausgespuckt wurde und sich dort für den nächsten engen Gang anstellen konnte. Deutlich entspannter war da schon die darauf folgende Tour mit dem Boot auf dem Pichola See.

Den Nachmittag erhielten wir wiederrum zur freien Verfügung was genutzt wurde um weitere Mitbringsel zu ergattern und ein wenig durch die Märkte der Stadt zu stöbern. Nach einem gemeinsamen Essen wollten wir dann am Abend die weiterreise im Nachtzug nach Jaipur antreten.

Zwischendurch zwei wichtige Lektionen zum Nachtzugfahren in Indien: Lektion 1) Informiere dich vorher in welchem Bereich du einsteigen musst! Indische Züge sind einen gefühlten Kilometer lang und wenn man mit Gepäck einmal den kompletten Bahnsteig auf und ab hasten muss bis man den richtigen Wagen gefunden hat ist das nicht so gut. Wenn man dann auch noch zu erst in Richtung der niedrigklassigeren Wagen läuft und plötzlich an völlig überfüllten Schlafwagen ankommt die nur Gitter in den Fenstern und keine Beleuchtung haben, und sich in der Gruppe immer mehr Unruhe breit macht, dann ist auch das nicht ganz so gut. Natürlich hatten wir unsere Plätze in den klimatisierten Wagen, um genau zu sein in der dritthöchsten von neun Kategorien. Lektion 2) Der audgedruckte verknitterte Zettel der am Bahnhof außen neben die Tür geklebt wird ist wichtig! Auf diesem stehen mämlich die zugewiesenen Sitz- bzw Liegeplätze. In dem Moment in dem aber 40 Touristen mit Gepäck plus ebenso viele Inder mit noch mehr Gepäck in einen Wagen gestürmt sind ohne vorher zu gucken ist es nur noch sehr sehr schwer nachzuvollziehen wer denn nun wo sitzen soll. In unserem Wagen waren die Plätze in quasi offene Abteile mit 6 Liegen und auf der anderen Seite vom Gang jeweils 2 übereinander liegende einzelne Liegen eingeteilt. Ich hatte das Glück eine der oberen Liegen direkt am Gang zu ergattern die im gegensatz zu den 6er Abteilen einen eigenen Vorhang besitzen. Ab dem Moment fand ich die 8-Stündige Zugfahrt eigentlich recht angenehm wenngleich natürlich wenig komfortabel. Aber immerhin befanden wir uns ja auch in Indien und nicht in einem ICE. Ich konnte einige Stunden Schlaf ergattern und es vermeiden dem Loch im Boden des Wagens, dass hier als Toilette fungiert, einen Besuch abstatten zu müssen. Also alles richtig gemacht…

Am morgen des siebten Tages saßen wir alle auf der Wiese vor einem wunderschönen Hotel in Jaipur beim Frühstück. Leider konnte aus verschiedenen Gründen nicht jeder aus der Gruppe auf 6 Stunden Schlaf zurückschauen, weshalb die Stimmung doch deutlich gedämpft war. Ich persönlich war jedoch recht fit und voll der Vorfreude auf einen neuen Tag. Schon bald machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die nahegelegene Altstadt, die irgendein Herrscher um 1876 zu Ehren des Besuches irgendeines englischen Königs komplett Rosa anmalen ließ. Noch heute sind 90% der Bausubstanz in dieser Farbe der Gastfreundschaft gehalten, wenngleich der Zahn der Zeit das ganze etwas verblassen lässt. Die vielleicht bekannteste Sehenswürdigkeit Jaipurs ist der um 1800 gebaute Palast der Winde Hawa Mahal, ein prächtiges Gebäude an der wichtigsten Kreuzung der Stadt dessen Zweck es war den Frauen des Palastes einen Blick ins Geschehen zu ermöglichen. Die strengen Sitten der Zeit erlaubten den Damen des Königs keine Teilnahme an der Gesellschaft. Die filigranen steinernen Gitterkonstruktionen des Gebäudes boten den dahinterliegenden Flaniergängen einen guten Sichtschutz und ermöglichten somit zumindest eine passive Teilnahme an den beliebten Prozessionen auf der Straße.

Einige hundert Meter weiter am Rande der Palastanlagen stehen ein paar seltsam anmutende geometrische Großformen in einem Park und leuchten im Sonnenlicht. Das 1720 errichtete Jantar Mantar ist eines von fünf zu der Zeit in Indien gebauten Großobservatorien und gehört seit einigen Jahren zum Weltkulturerbe. Während in Europa die Feinmechanik entwickelt wurde um die Genauigkeit von Messgeräten zu steigern erreichte man selbigen Effekt in Indien durch schiere Größe. So kann die 27m hohe Sonnenuhr des Jantar Mantar die Zeit auf 2 Sekunden genau anzeigen. Man kann dem Schatten beim Wandern regelrecht zusehen. Außer der Sonnenuhr stehen noch 13 weitere astronomische Großgeräte in dem Park die den Verlauf verschiedener Gestirne messen und alles in allem ein sehr fotogenes Gesamtbild abgeben.

Desweiteren gibt es im Umkreis des Palastes einen Tempel in dessen einladenden Parkanlagen eine große Gruppe Affen lebt. Die Tiere verteilen sich Tagsüber in die ganze Stadt und können immer wieder mal auf Hausdächern und am Straßenrand gesehen werden. In dem Park sitzen sie überall auf den Wiesen und sind relativ zutraulich so dass sie ein gutes Fotomotiv abgeben. Außerdem hängen in den Bäumen noch große Flughunde die ab und zu mal die Flügel ausspreizen und ihre beeindruckende Spannweite zeigen. Vor lauter Affen verloren wir zu viert den Rest der Gruppe aus den Augen und mussten schließlich alleine per Motorrikscha den Weg ins Hotel finden. Aber das war es Wert!

Am Nachmittag stand dann mal wieder etwas Architektur auf dem Programm. Das Jawahar Kala Kendra Kunstzentrum von Charles Correa wurde im Jahr 1991 gebaut um die Künste und das Handwerk des Staates Rajastan hier zu sammeln und zu erhalten. Das besondere ist der Grundriss der sich an alten indischen Mandalas so wie den traditionellen Stadtgrundrissen orientiert und die gesamte Anlage in 9 Felder einteilt von denen das mittlere offen bleibt und ein Openairtheater beherbergt. Besonders beeindruckend waren hier die leuchtenden Farben der jeweiligen Abschnitte in der prallen Mittagssonne. Desweiteren gibt es in Jaipur die Pearl Academy of Fashion zu bestaunen die das Architekturbüro morphogenesis erst im Jahr 2008 fertigstellte und die somit zu den wenigen neueren Gebäuden auf unserer Liste zählte. Die Hochschule präsentiert sich als strikter Kubus der von außen nur durch seine Sonnenschutzgitter strukturiert, im inneren aber durch amorphe Innenhöfe aufgebrochen wird. Tatsächlich ein sehr interessantes Gebäude das an diesem späten Nachmittag jedoch leider verwaist und großteils verschlossen im abendlicht lag. Nach einem langen, anstrengenden Tag wurden wir am Abend mit einem Essen in einem der besten Hotels der Stadt, inklusive Tanz- und Showeinlagen belohnt ehe es relativ zeitig wieder zurück in unser eigenes Hotel ging um dem vor allem durch den Nachtzug entstandenen Schlafdefizit entgegenzuwirken.

Indische Autobahnen

Kaputte Bank im Bus

In den Straßen von Udaipur

Momente in Udaipur

Tempel und Opfergaben im inneren

Udaipur City Palace

überfüllte Räume und Männchen aus Kuhfladen

Mit dem Nachtzug durch Indien…

Impressionen aus Jaipur

Jantar Mantar, eine Minute auf einer Sonnenuhr

Tierwelt in Jaipur, ein halber Zoo in der Stadt

Jawahar Kala Kendra Kunstzentrum von Charles Correa

Jaipur Momente

Pearl Academy of Fashion

Abendessen mit Showeinlage

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Rajastan 11, a set on Flickr.

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