Berge, Cuys und Inkagold

3 03 2008

Morgens um 2 kam ich in Lima an. Als ich aus der Flughafentuer kam erwartete mich eine riesen Menge an laut schreienden und Autogrammbloecken entgegenhaltenden Menschen. Naja, genau gesagt erwarteten die eher die gruppe an komischen Englaendern die bei mir im Flugzeug gewesen waren und offensichtlich der Band Deep Purple angehoerten. Mit einem total ueberteuerten, aber immerhin offiziellen und damit sicheren Taxi ging es zum The Point Hostel im Vorort Barranco. Die ersten 2 Tage verbrachte ich relativ gechillt in Lima. Per 16-Stunden Nachtbus ging es dann weiter nach Arequipa im Sueden. Eigentlich haette ich mir noch die beruehmten Nazca-Linien angeschaut, aber die stehen im Moment unter Wasser. Es ist Regenzeit in den Anden.

Arequipa liegt in den Vorlaeufern der Andern auf ca 2500m, und wenn es bewoelkt ist und regnet wird es da schonmal verdammt kalt. Die Stadt an sich ist ganz nett, ihre touristische Trumpfkarte ist jedoch der nahegelegene Colca Cañon, mit 3200m die tiefste Schlucht der Welt. Diese Messung ist allerdings nicht so Hundertprozentig genau, denn sie zaehlt vom Boden aus bis zu den beiden Bergspitzen die direkt am Canyon liegen. Es ist, dank schlechter Strassenverhaeltnisse kaum moeglich den Cañon in einem Tag zu sehen, somit meldete ich mich fuer eine 2 Tages-Tour an. Morgens frueh ging es los in die Berge. Durch leere, doch wunderschoene Altiplano Landschaft kletterten wir immer hoeher und bekamen auf dem Weg jede Menge Lamas und Alpakas zu sehen. Nach einer kleinen staerkung mit Koka-Tee ging es dann noch ueber einen 4900m Pass, auf dem man normalerweise eine tolle Aussicht auf umliegende Berge und Vulkane hat. An diesem Tag sah man allerdings nur viel grau und Schneeregen. Nachmittags kamen wir in Chivay an, wo wir die Nacht verbrachten um morgens frueh am Canyon die besten Sichtverhaeltnisse zu haben. Zum Mittagessen gab es ein koestliches Alpaka-Steak. Der Rest des Abends verbrachte sich ganz gut in den nahen heissen Quellen.

Am naechsten Morgen ging es dann in aller Fruehe los. Entlang des Flusses fuhren wir durch tolle Landschaften mit Terassenfeldern und kleinen Doerfern in den immer steiler und tiefer werdenden Canyon. Als wir dann allerdings ganz oben am Aussichtspunkt „Cruz del Condor“ ankamen standen wir wiederrum in den Wolken. Kein Canyon zu sehen und auch keine Kondore. Wir warteten eine Weile dort und die Wolken lichteten sich immerhin ein, zwei mal so weit das man die gegenueberliegenden Berge sehen konnte, der Canyon blieb jedoch versteckt. Schade eigentlich. Immerhin bekamen wir dann auf der Rueckfahrt noch die riesigen Kondore zu sehen, die sich, die Aufwinde nutzend, nach oben kreisten und dabei mehrfach sehr nah an uns vorbei flogen.

Am naechsten Tag fuhr ich dann hoch nach Cuzco. Hier hatte ich mich mit dem Matthias aus der Schule verabredet, der im Moment auch in Peru unterwegs ist. Ganz angenehm mal ein bekanntes Gesicht zu sehen! Cuzco ist die aelteste durchgaengig bewohnte Stadt der Amerikas und war einst eine praechtige Inkastadt mit komplett vergoldeten Tempeln. Dann kamen die Spanier, zerstoerten alles und bauten auf den alten Fundamenten und mit den Steinbloecken der nahen Festung Saksaywaman ihre eigenen Haeuser. An vielen Orten sieht man noch die alten Inkawaende mit den perfekt aufeinander zugepassten Steinen. Die Stadt liegt mitten in den Anden in einem Tal auf 3300m. Da geht einem schon mal ganz schnell die Luft aus wenn man ein paar Meter laeuft. Der Matthias hatte hier bereits letztes Jahr fuer eine Weile bei einer Familie gewohnt. Diese lud uns direkt ein zum Cuy essen, gebratenes Meerschweinchen. Sieht zwar komisch aus und hat auch nicht viel Fleisch, schmeckt aber tatsaechlich ziemlich gut.

Ein Freund vom Matze, der Frank, wohnt schon seit laengerem hier in Cuzco und bietet ab und zu mal kleine Touren auf alternativen Routen an. Also ein bisschen dort hin wo die grosse Touristenschar nicht hinkommt. Diese Woche hatte er einen Reitausflug in die Berge vor, und nachdem er mir versichert hatte das die Pferde ganz locker sind und man da nichts koennen muss, fand ich das eine gute Idee. Es war auch wirklich ziemlich easy, wir hatten einen Fuehrer dabei und bewegten uns nur in gemaechlichem Tempo, doch jeder konnte sein Pferd schon selbst „steuern“. Unterwegs hielten wir bei einigen Hoehlen, die heilige Orte der Maya waren. Ueberall sieht man noch Reste von Mauern in der Landschaft. Mittags gingen wir zur Familie unseres Fuehrers zum essen. Eine echte Campesino Familie, die oben in den Bergen lebt und sonst ausser Frank, der schon ein paar mal hier war, kaum Auslaender zu sehen bekommt. Das kleine Haus hat erst seit 2 Jahren Stromanschluss. In der Kueche krabbeln kleine Meerschweinchen und Kueken unter der Bank herum und draussen waechst auf 300 Hektar Land so allerlei Gemuese, das mit Eseln zum Markt in die Stadt transportiert wird. Ein wirklich interessantes Aufeinandertreffen. Vorallem der Vater schien echt seinen Spass zu haben, der hatte allerdings glaube ich (vielleicht aus Vorfreude) schon den ein oder anderen Zuckerrohr Schnaps getrunken…

Wenn man in Cuzco ist, ist das „nahegelegene“ (5 stunden zugfahrt) Machu Picchu natuerlich Pflichtprogramm. Das wissen die Peruaner laengst auch, und probieren daraus so viel Profit wie nur moeglich zu schlagen. Der einzige Weg um nach Aguascalientes, auch Machu Picchu Pueblo genannt, zu kommen ist ein Zug, Strassen gibt es keine. Die Preise fuer diesen Zug kann man dann natuerlich nach belieben festlegen. So musste ich dann mal eben 50€ hinlegen und da hatte ich den hinzug auch noch nur von Ollantaytambo aus, der letzten durch Strassen erreichbaren Station. Bis dahin kommt man weitaus schneller und billiger per Collectivo. Jetzt kann man sagen, ok 50€, das geht noch, aber immerhin ist das hier Peru, und ein Euro ist ungefaehr das 4 Fache von dem Wert was er in Deutschland Wert ist… Aber was soll man machen. Ich traf zufaellig noch auf Michael, der schon im Colca Canyon dabei gewesen war und der die exakt selben Zuege gebucht hatte, so fuhren wir zusammen abends nach Aguascalientes, um morgens frueh auf den Berg zu kommen. Zu Aguascalientes kann ich nur mein Lonelyplanet Buch zitieren: „A. is the most ugly and overprized little town in Peru, but eveybody has to pass through.“

Am morgen nahmen wir den ersten Bus um 5.30 (der nochmal 10€ kostet) hinauf zu den Ruinen (Eintritt 35€), die im morgengrauen noch von Nebelschwaden umhuellt waren. Es lichtete sich aber recht bald, und das beeindruckende Bild dieser wirklich gut erhaltenen Stadt auf diesem wirklich atemberaubend steilen Bergkamm ist schon einiges Wert (allerdings ueber 100€?!) Die Inkas hatten echt fuer alles gesorgt, jedemenge Terassen fuer Felder sind in die Steilwaende rund herum gebaut, kleine Kanaele versorgen alles mit Wasser. Was aber meiner Meinung nach noch viel Beeinduckender ist als die Stadt, ist der im Hintergrund gelegene, Kegelfoermige Wayna Picchu. Man kann einen atemberaubend steilen und engen Weg nach dort oben klettern und findet an der Spitze dieses stellenweise fast senkrechten Berges noch eine Festung die den Ueberblick ueber die Stadt, die Zugangswege und den Fluss tief unten im Tal bewahrt. Wie die das da hingebaut haben ist mir ein absolutes Raetsel. Ebenso dass das bis heute in der Form fuer Touristen zugaenglich ist, denn es gibt nicht wenige, absolut ungesicherte Stellen, an denen es mal eben einige Hundert Meter senkrecht nach unten geht. Angeblich stuerzt im Schnitt 1 Mensch pro Jahr ab. Das ist halt Suedamerika…

Eigentlich wollte ich uebers Wochenende noch mit dem Frank eine Dschungeltour ins nicht weit entfernte Amazonas-Basin machen. Doch irgendwie hat mich dann eine Erkaeltung erwischt und erstmal 3 Tage richtig flach gelegt. Heute gehts mir aber wieder ganz gut und ich habe eben mein Busticket nach Puno zum Titikakasee gekauft. Jetzt bin ich zwar in meinem Zeitplan etwas zurueck, aber naja, der ist eigentlich eh unwichtig…

Arequipa und das Altiplano (Hochland)

Llamas und Alpacas…

„toller“ Aussichtspunkt… Ein Pass auf knapp 5000m!

Chivay, ein kleines Andendörfchen am Eingang des Colca Canyons:

EU-LE! :D


Inkaterassen in der Nähe des Canyons

Die Ränder werden immer steiler und Höher!

Der Colca Canyon… leider unter den Wolken!

„Klasse Aussicht“ am Aussichtspunkt Cruz del Condor…

Märkte am Strassenrand…

Kondore! Giganten mit 3m Spannweite!

Cuzco, die alte Inkahauptstadt!

feinstes Cuy bei Morgos ehemaliger Gastfamilie…

Reittour in die Berge mit Frank…

Zum Mittagessen bei einer Campesino-Familie!

Inkafestung Saksay-waman (gespr: Sexy Woman :D )

Machu Picchu!!!

Die alte Inkastrasse mit Zugbrücke…

Aussicht vom Huchuypicchu, dem kleinen der 2 Zuckerhüte hinter der Stadt:

… und dann weiter hoch zur alten Festung auf dem Wayna Picchu!

Machu Picchu von oben, und unglaubliche Steilhänge…

clevere und schöne Wasserkanäle der Inkabaumeister…

PS: Oli und Caro, vielleicht lest ihrs ja noch, wenn ich schon kein Plakat malen kann:

VIEL GLUECK BEIM ABI!! DAS PACKT IHR LOCKER!