Singapore und Malaysia

6 03 2009

Ein Kurztrip in 19 Szenen…

Sonntag Abend am Frankfurter Flughafen. Selbst an diesem ewig hektischen Ort kehrt langsam Ruhe ein. Die Hallen sind fast menschenleer und wirken noch größer als sonst. Ein Arbeiter fährt auf seinem Minifahrrad dem Feierabend entgegen. Die ersten Geschäfte schließen ihre Tore. Ich schaue auf die Große Anzeigetafel, auf der schon zahlreiche Flüge für morgen früh angeschrieben sind. Nur 17 weitere Flugzeuge werden heute noch nach mir Frankfurt verlassen. Bangkok, Kanton, Tokyo, Denver. Für mich wird es um 22:10h nach Singapur gehen. Auf einer Bank liegt ein indisch aussehender Mann und schnarcht. Ich komme genau rechtzeitig zum Boarding am Gate an. Meinen Platz habe ich diesmal schon sicher. Das Flugzeug ist so leer dass ich sogar am Gang sitzen kann. Von der Startbahn West hebt der große Vogel Kranich um 22:30 ab und erhebt sich in den Frankfurter Nachthimmel.

Langsam kommt die Müdigkeit in mir hoch. Seit 3 Stunden bin ich jetzt in Singapur. Das Hostel war schnell gefunden. Ein kleines Backpacker Inn direkt an der Metrostation Aljunied. Jetzt stehe ich, in T-Shirt und kurzen Hosen, am Fluss und bestaune die Skyline auf der anderen Seite. Der Financial District kann sich was Hochhäuser angeht mit jeder anderen Stadt messen. Ein beeindruckender Berg aus Glas und Stahl erhebt sich dort und spiegelt sich im Fluss wieder. Ich suche noch etwas zum Abendessen ehe ich wieder zurück ins Hostel gehe und mich aufs Ohr lege. Aus den kleinen offenen Restaurants ziehen exotische Düfte. Asien! Wenn die Stadt auch erstmal etwas steril und westlich wirkt. Spätestens die Gerüche verraten mir wo ich mich hier wirklich befinde!

Die Diversität dieser Stadt ist schon der Wahnsinn! Mittlerweile bin ich in Little India angekommen. Aus den Geschäften strömen Bollywood-Musik und undefinierbare Düfte. Viele bieten bunte Kleider und Saris in allen Farben an oder bunte Blumen, die die Hindus in ihren reich geschmückten Tempeln als Opfer darbieten. Vorhin war ich bereits durch Little Arabia gelaufen wo sich kleine Teehäuser in bunten Kolonialhäusern rund um die goldene Kuppel der Moschee sammeln. Im Colonial District verbreiten prächtige alte Gebäude ihren britischen Charme. Im Finacial District sind die Schluchten zwischen den Hochhäusern so tief wie sonst nur in New York. Und in Chinatown wuseln Tausende von Menschen durch die Märkte und Geschäfte. All das kann man in Singapur an einem Tag erleben.

Irgendwie ist das gar nicht so einfach mit den Stäbchen. Vor allem wenn man eine Suppe mit Spagetthiartigen Nudeln und Ravioliartigen „Dumplings“ darin vor sich hat. Ich hatte das auch schon mal besser raus, bin wohl etwas aus der Übung. Lecker ist es allemal. Und schön kühl hier unten im Food Court. Mittlerweile bin ich auf der Orchard Road angekommen an der sich eine Giga-Mall an die andere reiht. Die Singapurianer haben 2 Leidenschaften: Einkaufen und Essen! Und so gibt es in jeder Mall auch einen Food Court, und jeder dieser Food Courts scheint genug Auswahl zu bieten um ein Jahr lang nicht das gleiche 2 mal essen zu müssen. Wahnsinn!

So viele Asiatinnen und irgendwie sehen sie alle gleich aus. Wie soll ich da Helen erkennen mit der ich mich über Couchsurfing hier unten in der Metrostation Bugis verabredet habe und von der ich nur 2 Fotos kenne? Eine kommt grinsend durch die Menge auf mich zu. Der große deutsche scheint hier unten doch leichter zu erkennen zu seinNachdem ich in Bochum über Niels den ein oder anderen Couchsurfer kennen gelernt hatte wollte ich jetzt in Singapur endlich auch mal aktiv werden. Leider war keiner von den 10 angefragten in der Lage mich für ein oder zwei Nächte bei sich aufzunehmen. Aber wie ich später erfahren sollte ist das in Singapur normal und verständlich. Die meisten leben eben hier in recht kleinen Wohnungen mit Großfamilien und diejenigen die verifiziert und aktiv sind und theoretisch Leute aufnehmen, werden mit Anfragen nur so überschwemmt. Immerhin hatte ich 2 Antworten bekommen mit dem Vorschlag sich doch so abends mal zu treffen. Helen war eine davon. Ursprünglich aus den Philippinen lebt sie seit einigen Jahren in Singapur und war auch schon über die Uni in Europa gewesen. Wir suchen uns etwas zu essen, trinken ein Bier und plaudern über Reiseerfahrungen, Singapur, Deutschland, BolivienEin lustiger Abend und eine interessante Erfahrung!

Der Himmel hinter den Hochhäusern wird immer dunkler, die Donner kommen näher. Gerade bin ich auf dem 150 Meter hohem Mount Faber angekommen, nass geschwitzt vom Aufstieg bei extrem schwülen 30 Grad. Aber die Aussicht entschädigt für den Aufwand. Ein Meer aus Hochhäusern liegt vor mir und die gigantischen Hafenanlagen hinter mir. Blitze zucken über den tief grauen Himmel hinter der Stadt. Ich knipse ein paar Fotos und mache mich dann schnell wieder auf den Weg zur Metrostation an der Harbourfront. Der Eingang ist bereits zu sehen als es anfängt zu regnen. Glück gehabt!

Nachmittag. Ich sitze frisch geduscht im Aufenthaltsraum des Hostels, trinke einen kühlen Eistee und Blättere in meinem Lonely Planet. Auf dem Sofa chillen noch 2 Amis und chatten über ihre Zeit in Viet-Nam und Kambodscha. Eine Engländerin sitzt am PC und ein Inder macht sich gerade in der Küche eine lecker riechende Suppe warm. Ploetzlich kommt ein Typ in Surfer Hose und Tanktop rein gestürzt. „Hat irgendjemand ne Ahnung was für ein Tag heute ist?“ Ein Blick in die Runde: Alle sind am grübeln. Die Engländerin am PC löst das Rätsel schließlich auf. Life on the Road. Wenn Zeit und Datum einfach unwichtig werden

Die Entscheidung fällt mal wieder schwer. Ein Stand neben dem anderen, jeder bietet unterschiedliche Mahlzeiten an, die mir allesamt unbekannt sind. Ich benutze mein in China erprobtes Zufallsprinzip und zeige auf irgend etwas. 2 Minuten später steht ein Teller gebratener Reis mit Gemüse und Streifen getrockneten Fisch vor mir. Dazu ein koestlicher Mangosaft. Passt. Die 3 Amis aus dem Hostel mit denen ich den Markt irgendwo in den Hintergassen Little Indias gefunden habe, bekommen verschiedene Pratas, Fladenbrotartige Teigtaschen mit Käse oder Ei und Zwiebeln. Auch nicht schlecht. Im Hintergrund dudelt indische Musik. Ich bestelle mir auch noch eine Prata. Eine volle Mahlzeit für rund 3 Euro. Ich liebe Essen auf Märkten!

„Tut mir Leid, der einzige Bus nach Melaka fährt um 8h morgens„. Den Spruch höre ich mir jetzt schon vom dritten Bus-Unternehmen an. Dabei hatte ich gemeint gelesen zu haben es würden stündlich Busse die 5 Stunden Reise an die Westküste Malaysias antreten. Getreu meinem Lieblingsreisemotto „Wird schon passen“ bin ich also um 11h an den Busbahnhof am Golden Mile Komplex gekommen und hatte gedacht einfach den nächstbesten Bus nehmen zu können. Dumm gelaufen. Ich buche also einen Bus für den nächsten morgen. Zum Glück hatte ich auch bereits gestern ganz in der Nähe in Little Arabia ein nett aussehendes Hostel entdeckt in dem ich mich nun noch eine Nacht einquartiere. Melaka ist schließlich auch schon seit hunderten von Jahren da, es wird schon nicht über Nacht weg laufen

Noch eine Treppe höher, noch einen Gang weiter, und wieder habe ich eine neue Sicht auf das Gebäude. Durch Zufall bin ich beim rum laufen auf ein sehr modern wirkendes Gebäude gestoßen. Wenn ich in Bochum bisher eins gelernt habe ,dann dass man als Architektur Student überall rein darf. Also schaue ich mal rein und entdecke, dass es sich um die La Salle Hochschule für Künste handelt. Das Gebäude ist hoch interessant. Ein riesiger Innenhof wird umringt von 6 gläsernen Gebäuden die wie Eisberge anmuten. Ich schaue nach draußen und merke dass es plötzlich in strömen regnet. Also setze ich mich hin und zeichne noch eine schnelle Skizze. Danach ist der Regen abgeschwächt und ich ziehe weiter.

Wahrlich ein nettes Städtchen dieses Melaka. Einst ein wichtiger Handelshafen in der gleichnamigen Strasse von Melaka (das Meer zwischen dem indonesischen Sumatra und der Malayischen Halbinsel) das der Reihe nach von Chinesen, Portugiesen, Holländern und Engländern kolonisiert oder mal mehr mal weniger friedlich übernommen wurde.  Dementsprechend stehen hier auch Tempel, Windmühlen und Kirchen wild durcheinander. Das Highlight ist wohl das, erst letztes Jahr zum Weltkulturerbe erklärte, Chinatown. Zwischen den Uralten Häuschen verlaufen ein paar kleine Gassen. Auf den verbundenen Verandas befinden sich allerlei Läden und Handwerksbetriebe und ab und zu ein Eingang zu einem Tempel. In der ganzen Stadt fahren wild dekorierte Dreiräder rum die einen gerne befördern möchten und einen regelrechten Wettkamp um die beste Dekoration ausfechten. Ich beschließe 3 anstatt der geplanten 2 Tage hier zu bleiben und einfach mal einen ruhigen zu schieben! Irgendwie liebe ich solche Orte

Das nenne ich ein Frühstück! 5 verschiedene Currys stehen auf dem Tisch. Auf meinem Teller stapeln sich unterschiedlichste Reisfladen und Pfannkuchen artige Gebilde. Steve meint es verdammt gut mit uns! Der Eigentümer desShira’s“ Hostel, einem der gechilltesten Hostels die ich je gesehen habe, ist ein extrem lockerer Inder, der selbst lange Jahre mit dem Rucksack um die Welt getourt ist. Er gibt wahrlich alles damit sich seine Gäste wohl fühlen! Heute morgen waren wir zusammen bei einem kleinen Restaurant in Little India und holten dort tütenweise Frühstück das sich jetzt vor mir und zwei anderen deutschen Gästen ausbreitet. Na dann guten Appetit!

Genüsslich knabbere ich an meinen Fleisch Spießen, trinke einen frisch gepressten Zuckerrohrsaft und genieße die Show. Die komplette Hauptstrasse durch Melakas wunderschönes  Chinatown ist am Wochenende abends zum Night Market umfunktioniert. Ein Stand reiht sich an den nächsten. Feines Handwerk, buntes Spielzeug, günstige Klamotten, allemöglicher Kitsch, und verschiedenste Speisen und Getränke. Auf einer Kreuzung ist eine große Bühne aufgebaut. Circa 200 Menschen sitzen drum herum, essen, trinken und sehen zu wie ein alter Chinese nach dem anderen seine Karaoke-Künste zum besten gibt. Als ob die ca 10 Karaoke-Bars entlang der Strasse, aus denen die krümmsten Töne heraus auf die Strasse dringen, nicht reichen würden. Volkssport Karaoke! Man muss sie lieben die Chinesen!

BABUMM. Menschen auf der Strasse zucken zusammen und gehen in Deckung. Die Alarmanlage eines Autos fängt an zu piepen. Das war mit Sicherheit der lauteste Donner den ich je gehört habe! Der Blitz muss irgendwo direkt nebenan eingeschlagen sein. Ich laufe jetzt noch schneller. Nur noch einen Block, dann bin ich am Hostel. Gerade bin ich aus Melaka zurück gekommen. Das übliche Nachmittagsgewitter zieht über Singapur auf. Jetzt setzt auch der Regen ein. Ich komme gerade rechtzeitig im Hostel an um nicht samt Gepäck komplett durchnässt zu werden

Sentosa Island ist eigentlich so etwas wie die Vergnügunsmeile Singapurs. Die Insel südlich der Stadt beherbergt Freizeitparks und Strände und bald auch ein Kasino (die halbe Insel ist momentan eine riesen Baustelle). An diesem verregneten Tag ist sie jedoch so gut wie ausgestorben. In der Hoffnung der Regen könnte nur vorübergehend sein hatte ich mich einfach mal auf den Weg hier raus gemacht. Aber der Regen war heute alles andere als Vorübergehend. Ich sitze eine Weile am Strand unter einem Pavillion und beobachte wie die Palmen im leichten Wind rascheln und wie draußen auf dem Meer ein riesiges Schiff nach dem anderen in den gigantische Hafen Singapurs einläuft. Dann nehme ich die Monorail zurück aufs Festland. Hier befindet sich die Vivo City Mall die, wie ich im Internet rausgefunden habe, von Toyo Ito gebaut wurde. Ich irre ein oder zwei Stunden durch das interessante Gebäude, erkunde jeden Winkel und mache Fotos. Zumindest wird man hier drin nicht nass.

Einer nach dem anderen trudelt an der Metrostation Aljunied ein. Ich hatte heute Mittag im Singapore Forum von Couchsurfing entdeckt dass einige Couchsurfer für heute Abend ein Treffen planen und habe mich spontan auch angemeldet. Eine kunterbunte Truppe trifft nun hier zusammen. Einige Singapurianer, ein Österreicher, eine Inderin, eine Schweizerin mit Indischer Familie die jetzt hier lebtZu zwölft ziehen wir dann los in Richtung Geylang Rd, um dort in einem unter locals berühmten kleinen Strassenrestaurant „Hokkien Meezu essen. Es entwickelt sich ein lustiger Abend. Man tauscht sich aus, schwätzt über dies und das. Nach dem leckeren essen ziehen wir noch eine Runde um die Häuser. Das Rotlicht-Viertel Singapurs befindet sich um die Ecke. Singapur ist zu meiner Überraschung das einzige Land Südostasiens in dem Prostitution tatsächlich legal ist. Als Europäer, gerade auch als Frankfurter, ist ein solches Viertel natürlich nichts wirklich neues, aber die Asiaten sind alle total aufgeregt und wollen unbedingt sämtliche Strassen mal durchlaufen. Auf dem Weg müssen wir Europäer noch unbedingt eine Durian Frucht probieren. Das sind diese großen stachligen Früchte die einen absolut widerlichen Geruch verströmen. Meiner Meinung nach schmecken sie genauso wie sie riechen, aber gut, man muss ja alles mal probiert haben. Nach dem die meisten wieder nach hause sind da sie morgen arbeiten müssen gehe ich noch mit dem Österreicher ein paar Bier trinken. Ein gelungener letzter Abend in Singapur! Couchsurfing ist schon eine geniale Erfindung!

Im Baum über mir klettern 2 Orang Utans herum. Ein weiterer hat es sich in einer hängenden Plattform am Nachbarbaum bequem gemacht. Die Bäume sind mit Seilen und Lianen verbunden so dass die Affen einen großen Aktionsradius genießen. Darunter führt ein Holzplankenweg die Besucher des Singapore Zoos in luftige Höhen, in fast greifbare Nähe der orange behaarten „Wald-Männer“, wie die Ureinwohner Malaysias die Orang Utans nannten. Ein faszinierender Ort, und schön diese beeindruckenden Tiere in einem fast komplett natürlichen Umfeld zu beobachten! Ich verbringe einen gechillten letzten Tag. Heute Abend werde ich zum Flughafen fahren und dann zurück nach Frankfurt fliegen. Aber so lange genieße ich noch etwas die Sonne

Langsam wird es knapp. Ich war extra 3 Stunden vor Abflug, um 21h am Flughafen eingetroffen, doch beim einchecken wurde mir gesagt ich soll so gegen 23h noch mal kommen, da ich standby bin. Ungewöhnliche Prozedur, aber ok. Nun stehe ich hier. Es ist 23:20h. In einer halben Stunde macht das Gate zu. Und es tut sich immer noch nichts. Langsam schwindet die Hoffnung heute noch hier weg zu kommen. Ein paar andere stehen, offensichtlich ebenso nervös, neben mir. Dann endlich: Mein Name wird aufgerufen, die Frau am Schalter hat ein Ticket in der Hand! Yes! Platz 26E, mich beschleicht eine hervorragende Vorahnung! Es ist jetzt 23:35h, ich spurte durch den leeren Flughafen zum gate.

23:55h. Ich schlürfe einen eiskalten „Singapore Sling“ und spiele an den Funktionen meines Sitzes. Meines, wohlgemerkt, extrem breiten und komfortablen Sitzes! Meine Vorahnung hat sich bestätigt. Platz 26E befindet sich in der Busines Class! Während das Flugzeug sich in Bewegung setzt mache ich es mir bequem, blättere den Flugplan durch und überlege wo es wohl die nächsten Semesterferien hin geht

Singapore Skyline…

Singapore at night…

Chinatown…

Chinesisches Theater

Sri Mahamariamman Hindu Tempel

2 Moscheen in Singapur

Chinatown Märkte

Little India

Den ganzen Tag nur am regnen… Zeit für ein Nickerchen!

Ausblick vom Mt Faber:

Containerhafen und Sentosa Island

Food-Town Singapore…

Coucsurfer Meeting in Geylang

Melaka – alter Stadtkern

Portugiesischer und Holländischer Einfluss

Karaoke-Bühne und Nachtmarkt in Chinatown

Indisches Frühstück bei  Steve in Melaka

Singapore Zoo

Und jetzt noch etwas Architektur…

La Salle Universität

Vivo City Mall von Toyo Ito





Orange Kaos FFM – Das Original

22 02 2009

Text ist in Arbeit… ;)





Und Berliner heissen Krebbel!

4 02 2009

Auswärtsfahrt nach Berlin ins Olympiastadion

BSC-SGE 2-1 – 31.01.2009

Samstag morgen, halb fünf in Frankfurt. Bei gefühlten minus 10 Grad stand ich an der Strassenbahnhaltestelle. Hinter mir im wald trieben ein paar Wildschweine ihr unwesen, ich konnte sie nicht sehen, aber gut hören. Aus der Bahn die gerade aus der Stadt ankam torkelten ein paar betrunkene Partygänger. Höchste Zeit ins Bett zu fallen und sich auszuschlafen. Für aber fing bereits der nächste tag an. Endlich kam auch meine Bahn. 10 Minuten später stieg ich am menschenleeren Niederräder Bahnhof aus und sah schon 3 andere müde Gestalten in der Kälte stehen. Benni, Söder und Mimi warteten bereits auf mich. Um 5:15h saßen wir am Frankfurter Hauptbahnhof im Regionalexpress nach Kassel…

All das kann eigentlich nur eines bedeuten: Auswärtsfahrt mit der magischen SGE!

Das erste Spiel der Jahres 2009 fand, wie bereits im Vorjahr im Berliner Olympiastadion statt. Gab es 2008 noch einen grandiosen 3-0 Auswärtssieg mit 3 Fenin-Toren, so sahen die Vorzeichen dieses mal eher schlechter aus. Die Hinrunde war bei der Eintracht alles andere als gut gelaufen, während die Hertha als eine der Überraschungsmannschaften heute die möglichkeit hatte auf Platz 1 der Tabelle vorzudringen. Immerhin, Meier und Chris standen nach langer Verletzung endlich wieder bereit und die beiden neuen Jünglinge Petkovic und Kweuke machten Hoffnung auf eine bessere Rückrunde.

Wir hatten uns schon frühzeitig entschieden zu diesem Spiel mal wieder eine ausgiebige Wochenendticket-Tour zu machen. So sassen wir nun an diesem Samstag morgen um 6h müde aber guter Dinge im RE nach Kassel. Draussen flog die stockdunkle Wetterau vorbei. Zeit für ein leckeres Ebbelwoifrühstück! In Kassel hatten wir dann auch Zeit für ein richtiges Frühstück. Die nette Dame bei Burger King schien jedoch auch noch etwas schläfrig zu sein. „Einmal den Hot Chicken, nur den Burger bitte!“ – „Als Menü?“ – „Nein, nur den Burger bitte.“ – „noch was dazu?“…

Als wir wieder am Bahnsteig standen wurde es endlich langsam hell. Der nächste Zug sollte uns nach Sangerhausen bringen. Entlang der Werra fuhren wir nun richtung Osten, es fing an zu schneien. Vor dem Fenster zogen blühende Landschaften verlassene Industrieruinen, riesige brachliegende Gleisanlagen und ein Hinterhof vorbei in dem ein ausgeschlachteter Trabi stand. Klare anzeichen, wir hatten den Osten der Republik erreicht. Nach einer Weile standen draussen an einem kleinen Bahnhof plötzlich mehrere Hundert Eintrachtfans. Die guten hatten wohl die andere Verbindung über Fulda genommen, die 4 Minuten später in Frankfurt los fuhr und mussten nun doch in den selben Zug. Der Mob war wieder vereint, nun herrschte auch Stimmung im Zug.

Sangerhausen. Zug Nummer 3. War der erste Zug noch ein Doppelstöcker, der zweite wenigstens ein normaler Regionalzug, so hatten wir nun nur noch eine bessere Sardinenbüchse zur Verfügung. Ich denke das verdeutlicht ganz gut durch was für eine gottverlassene Gegend wir da teilweise fuhren. Immerhin brachte uns dieser Zug nun nach Magdeburg, von wo aus wir wieder einen Doppelstöcker nach Berlin bekamen. Zur Mittagszeit näherten wir uns endlich der Hauptstadt, was sich auch daran bemerkbar machte dass nun mehr und mehr Herthaner in den Zug zustiegen. Potsdamm. Wannsee. Chartlottenburg. Um 13:45 rollten wir endlich in den neuen Berliner Hauptbahnhof ein. Erleichterung, Freude! Jetzt konnte die Party hier beginnen!

Nach dem wir Tibor, der mit dem ICE hochgefahren war, vor dem Dunking Donuts eingesammelt hatten fuhren wir nochmal zum Bahnhof Zoo um unsere Sachen in einen Locker zu schliessen. Dann ging es mit der U Bahn zum Stadion. Hier dann die ersten sehr einfallsreichen Pöbelversuche einiger Berliner: „Frankfurter Würstchen“… Konter: „Und Berliner, heissen Krebbel, schalalalala“ Ich würde das als einen klaren 1-0 Sieg für uns werten.

Nachdem wir uns über jedemenge Eisfelder und verschneite Wege gekämpft hatten standen wir um 14:45 am Olympiastadion. Die Kontrolle ging schnell, und wir dachten wir könnten nun in Ruhe zum Block gehen, doch dieser war nocheinmal abgesperrt, und die Heldenhaften Ordner liessen nur abwechselnd je 5-6 Leute rein. Wiedermal eine hoch sinnvolle Massnahme! Man erinnert sich mit schrecken an die Vorjahre, in denen hier regelmäßig die Leute zertrampelt wurden, weil der Ansturm auf den Gästeblock einfach zu groß war… Oder halt Moment, das war ja gar nicht so, denn eigentlich ist der Gästeblock in Berlin immer relativ leer, und man könnte in aller Ruhe und ohne gequetsche rein spazieren und sich seinen Platz suchen. Wenn da nur nicht diese Ordner wären. Aber gut, Auswärtsspiel ohne Schikane wäre ja auch irgendwie nicht das selbe…

Im Hexenkessel der da heisst Olympiastadion hatten sich berauschende 35000 Fans eigngefunden. Ebenso viele Plätze blieben ergo leer. Im Gästeblock waren auch gefühlt mehr Hopper aus dem gesamten Osten der Republik als tatsächliche Frankfurter, aber das ist ja in Berlin auch meisstens so. Ende Januar allemale. Somit stellten sich aber die Umstände für eine gute Atmosphäre auf beiden Seiten eher schwach dar… Wenn es dann auch noch so bitterkalt ist und schneit, dann geht im Normalfall relativ wenig, und so war es auch heute.

Das Spiel startete eher mäßig. Die Eintracht kam nicht wirklich hinein, und Hertha schien nur bereit zu tun was nötig war. Eigentlich alle Anzeichen auf 0-0, doch dann ein Gewusel i´m Frankfurter Strafraum, Pröll währt 2 mal ab aber Pantelich kann schliesslich einnetzen. Ein Scheisstor. Wie so oft diese Saison…
Nur 10 Minuten später stand Pantelic wieder allein vor Pröll, wurde von diesem zwar noch gestoppt, doch der Schiedsrichter zeigte sofort auf den Punkt. Elfmeter. Scheisse. Sollte es das wirklich schon gewesen sein? Daumendrücken. Und das erfolgreich. Pröll machte seinen Fehler wieder gut und parierte. Es blieb bis zur Halbzeit beim 0-1.
In der zweiten Halbzeit kam die Eintracht besser ins Spiel. Petkovic und Ochs trieben über die Seiten die Bälle nach vorne. Man näherte sich dem Berliner Tor an. Doch dann, wieder mal Pantelic am Ball, der macht 20 Meter vor dem Tor einen Wackler und zieht einfach mal ab, und der Ball geht tatsächlich direkt in die untere linke Ecke. 2-0. Das Spiel schien gelaufen.
Doch die Eintracht steckte nicht auf, fing jetzt auf einmal an zu drücken, und kam fast im direkten Gegenzug durch den angeblichen Chancentod Köhler zum 2-1 Anschlusstreffer. Noch 30 Minuten Zeit. Und tatsächlich. Plötzlich lief es. Die Eintracht setzte sich in der Berliner Hälfte fest, drängte die Hertha fast komplett in den eigenen Strafraum. Es geht doch. Auch der eingewechselte Kweuke wusste zu gefallen und sorgte vorne drin für Gefahr. Leider jedoch nicht genug. Ein paar Chancen gab es, jedoch nur eine richtig gute, die Meier in der 89. Minute nicht im Tor unterbrachte. Dann lief die Zeit ab.
Wenigstens bekamen wir am Ende von Berliner Seite nochmal eindrücklich vorgeführt was echte Fussballatmosphäre auf keinen Fall ist. Stadionsprecher: „Auf gehts Leute, die 89. Minute, steht alle nochmal auf für unsere Hertha!!“ Wäre ja auch viel verlangt sowas von selbst zu machen, und das bei nem Heimsieg der einen auf den 2. Platz bringt…

Wir waren uns eigentlich einig. Das Ergebniss war eine Enttäuschung, die 2. Halbzeit machte jedoch Spass und vorallem Mut und Hoffnung für die Rückrunde. So verliessen wir das Stadion doch halbwegs gut gelaunt und durften eine weitere Polzeischikane über uns ergehen lassen. Die netten Herren wollten uns nicht zur U-Bahn lassen, den kompletten Weg zur S Bahn hatten sie eine Kette gebildet, mit zig Wagen und Mann, um Gästefans und Heimfans zu trennen. Vorne an der S Bahn Station vermischten sich dann aber doch beide Gruppen und stiegen gemeinsam und ohne jede Probleme in die Züge. Großes Kino. Gut dass der Staat scheinbar zu viel Geld hat.

Nach einem guten Abendessen im Foodcourt des Alexa Einkaufszentrums am Alexanderplatz verliess uns der Tibor wieder, denn er musste seinen Zug bekommen. Wir machten uns erstmal auf, das nächtliche Berlin zu erkunden. Zu Fuß statteten wir dem Reichstag, dem Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz einen Besuch ab und machten ein paar Gruppenfotos. Sollte man ja schon alles gesehen haben wenn man mal in der Hauptstadt ist.

Gegen 22h machten wir uns schliesslich auf den Weg eine Kneipe zu finden. Dies gelang auch ersteunlich gut. In einem etwas alternativen Künstler-/Studentenviertel fanden wir diverse günstige Bars und Kneipen und konnten dort mit reichlich Berliner Bier und gutem Frankfodder Henninger Radler die Nacht herum kriegen auch wenn manch einer zwischenzeitlich mit Müdigkeitsanfällen zu kämpfen hatte. („Timmeeeeey“)

Um 5h fanden wir uns wieder am Berliner Hauptbahnhof ein. Bei McDonalds gab es wiederrum ein Frühstück und wir wärmten uns nochmal etwas auf. Um 6h kam dann endlich der Zug. Glücklicherweise hatten wir genug Platz um uns alle etwas auszustrecken und erstmal Schlaf nachzuholen. Auch die nächsten beiden Fahrten verschlief ich mehr oder weniger komplett. Gegen 12h hatten wir dann eine halbe Stunde aufenthalt in Kassel. Ein großer Kaffee und ein paar Pommes. Jetzt konnte ich auch noch die letzten 2 Stunden nach Frankfurt überstehen.

Um 14:30 kamen wir wieder in der Mainmetropole an. Gute 34 Stunden nachdem ich morgens aus dem Haus gegangen war. Ich denke das dürfte erstmal für eine Weile unser Auswärtsfahrtrekord sein! Zumal ich ja abends noch nach Bochum fahren musste und dort um ziemlich genau Mitternacht ankam…
Wenn es auch ein enttäuschendes Ergebnis war, es gab wirklich schon weitaus schlechtere Spiele, und die Fahrt war sowieso geil! Berlin ist eben immer eine Reise Wert…

Un nächst ma gewinne mer aach ma widdä!